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Ideen / Wertkritik Und Geldkritik / Chat Mit Nikola Winter 10. März 2013. Ein wolkiger Sonntag. Wir diskutieren einen Aufsatz von Karl Heinz Brodbeck, zur "Phänomenologie des Geldes". Denn: Nikolas Posting provoziert mich.
KH Brodbeck:
Außer durch Geld! das ist doch grad der Witz an der Sache, dass Geld diese Gleichsetzung "gewaltsam" vornimmt! Es haben die Marxisten nicht wirklich ernst genommen was Marx getan hat, nämlich das Wertformkapitel an die Spitze des Kapitals zu setzen! Es erklärt was es mit diesem Gleichsetzungsprozess zu tun hat, und zwar so fundamental, dass nur eine Kritik von Tausch und Geld rauskommen kann. Brodbeck ist fantastisch, wenn es darum geht, den Unsinn der österreichischen Schule mit ihrer subjektiven Wertlehre zu dekonstruieren. Die bläst sich neuerdings in Gestalt des "Instituts für Wertewirtschaft" wieder so durchblickerisch auf dass mir schlecht wird. Aber um die Konsequenz der Sache scheint er sich zu drücken.
Ich versuche gerade zu verstehen, was Marx (und Kurz) mit "Substanz" meint (Kapitel 9, 10 Kurz "Geld ohne Wert"). Dazu habe ich von Brodbeck einen Artikel von 1981 gefunden "Der Fehler der Marxschen Wertelehre"... mal sehn...Was sollte Brodbeck Deiner Meinung nach tun um sich nicht "um die Konsequenz der Sache" zu drücken?
("Die menschliche Gesellschaft lässt sich weder aus vereinzelten Individuen („methodologischer Individualismus“) noch durch Formen der Natur (wie sie die Mechanik oder Thermodynamik beschreibt) verstehen. Neben der Sprache ist das Geld das dafür sichtbarste Beispiel. Hier ist ein neues, ein phänomenologisches Denken erfordert; Geld und Sprache sind logisch und historisch ein Novum.")
By the way: Kurz ist schon saugut
Das automatische Subjekt und seine Erscheinungsweise
ad "Irgendwann kommt der Punkt dann muss man beschreiben was in der Mitte liegt zwischen Einzelbewusstsein und Natur." - genau das scheint Kurz sich in seinem Buch vorgenommen zu haben. Bin gespannt, wie er das angeht.
Hegel hat die Form als eine Reflexionskategorie entschlüsselt. In der Wesenslogik merkt man dass sich das Denken einer Sache "bemächtigt", indem es Unterscheidungen macht, Form und Inhalt, Kraft und Äußerung, Wesen und Erscheinung Ach das war schön als ich noch tagelang darüber nachdenken konnte!
Für sich genommen kann er schlafen, im Golddepot, eber dann ist er auch nur Backup-Wert für einen sich lebendig erhaltenden Wert....weil letztlich gehts schon darum dass er das Mittel leiblicher Individuen ist. Engels hat sich einmal furchtbar aufgeregt über diese Frage. "Dass eine Nation verrecken würde...." Alle schätzen beständig ihr Vermögen in Geld. Alles ist Geld-Wert. Aber das tun sie, weil Ihr Wert Mittel des Zugriffs auf fremden Wert ist. Wert ist also dass er prozessiert!!
(ich muss jetzt weg, danke für Deine Kommentare, Franz!)
Dafür ist gesorgt. qua staatlicher Gewalt, dass Du Dir den Zugriff verschaffen willst und musst. Du musst wollen. Du bist frei von den Quellen Deines Lebens und frei für die Konkurrenz Enclosures und Abschaffung der Privilegien haben dafür gesorgt
Nachtrag: Hab im Brodbeck Artikel die Unterscheidung zw Phänomenologie und method. Individualismus gefunden "Anders als Kant und Husserl gehe ich nachfolgend nicht von einem idealisierten, d.h. vereinzelten Subjekt aus, sondern von der Gemeinschaft sprechender und handelnder Menschen, in der sich individuelles Bewusstsein immer wieder neu aus dem Diskurs mit anderen entwickelt.Man nennt diesen modifizierten Blick in der Philosophie auch den linguistic turn. Nicht ein vereinzeltes Bewusstsein an sich wird untersucht, sondern die Weise, wie wir bewusst innerlich und äußerlich über Dinge sprechen. Die Grundidee der Phänomenologie lässt sich dann wie folgt beschreiben: Wenn wir über bestimmte Gegenstände nachdenken, so ist unser Bewusstsein, unsere Achtsamkeit auf diese Gegenstände gerichtet und von ihnen mehr oder weniger gefesselt. Wir bemerken dabei nicht oder eher selten, wie wir diese Gegenstände, also in welchen Begriffen wir denken. Unsere Intentionalität ist nach außen gerichtet. In der mittelalterlichen Philosophie sprach man von einer intentio recta: Man ist geradewegs auf eine Sache gerichtet, ohne den begleitenden Denkprozess zu reflektieren. Um letzteres zu leisten, bedarf es einer Umkehrung der Aufmerksamkeit, einer intentio obliqua, den Blick in das eigene Denken, während man denkt. Genau das leistet die Phänomenologie."
Wer ist "wir"?
Der Wert erzeugt eben auch seinen eigenen dinglichen Schein, und dieser reproduziert sich GESELLSCHAFTLICH. Diese Einsicht will nun wieder nicht eine Determination behaupten, aber sie wäre kritisch an Karl-Heinz Brodbeck zu richten. ah ich sehe Ihr habt schon eine Facebook Freundschaft aufgebaut
Wie kommt es aber dann zum vielzitierten "Sachzwang", zu Zuständen, die als äußerer Zwang erlebt werden obwohl sie erst durch das Zusammenwirken der Menschen innerhalb einer Gesellschaft entstehen? K-H. Brodbeck bring selbst später Beisipele für solche Konstellationen "Noch die despotischste (also keineswegs nur eine demokratische) Regierung beruht auf „Meinung“ (opinion) und wird durch die Meinung der Bürger getragen." "eigentliche Macht beruht immer auf der Anerkennung der Machtigen durch die Untergebenen; (H. Arendt)" "Geld beruht auf der Anerkennung der Vielen." Aber ist die "Anerkennung der Vielen" wirklich bloß die Summe der Anerkennung jedes einzelnen dieser "Menschen (die) handeln, sprechen und () so Gesellschaft täglich" herstellen? Aber vielleicht liegt hier die Lösung in einer anderen Perspektive bezüglich Subjekt/Objekt bzw an der Logik als Methode selber? Ich zitiere: "Weil jeder weiß und darauf zählt, dass alle anderen auch das Geld als das Geld anerkennen, deshalb anerkennt jeder Geld als Geld. Das ist ein zirkuläres Argument. Doch dieser Zirkel ist kein logischer Fehler, sondern eine soziale Wirklichkeit. Wenn man eine Wissenschaft vom Geld nach den Gesetzen der traditionellen Logik aufbaut – z.B. durch mathematische Modelle –, dann muss man immer von Voraussetzungen ausgehen, die andere sind als das, was man damit erklärt: Geld. Deshalb scheiterten alle bisherigen Geldtheorien, weil sie dieses völlig andersartige Phänomen der Geltung des Geldes durch die Anerkennung der Vielen nicht auf den Begriff bringen konnten." "In der sozialen Welt ist das Sein, die Existenz von bestimmten Phänomenen nicht von einem materiellen Träger abhängig, sondern von einem Prozess des Bewusstseins der Vielen, einem Prozess des Denkens." letzterer wäre dan das von Dir erwähnte GESELLSCHAFTLICHE Sein. "Wir anerkennen das Geld als Geld, weil alle es tun. Und alle tun es … weil alle es tun. Die „Substanz“ des Geldes ist also eine soziale, kollektiv erzeugte und darin zirkuläre Illusion der Geltung. Nichts am physischen Geld (Papier, Gold, Computerzahl), nichts an einer materiellen Substanz verleiht dem Geld seine Geltung. Geld hat keine Substanz – außer dem allgemeinen Vertrauen in seine Geltung. Doch dieses Vertrauen ist kein Ding, sondern ein alltäglich vollzogener Denk- und Handlungsprozess." "Nur im übertragenen Sinn kann man sagen: „Vertrauen“ ist die „Substanz“ des Geldes. Der zweifache Apostoph deutet darauf, dass man diese Begriffe nicht im materiellen Sinn verstehen darf, sondern sie so zu deuten hat, wie das eben skizziert wurde."
Das "Phänomen der Geltung des Geldes durch die Anerkennung der Vielen" hat Marx bereits im übergang vom 2. zum 3. Kapitel des Kapitals erklärt: "In ihrer Verlegenheit denken unsre Warenbesitzer wie Faust. Im Anfang war die Tat. Sie haben daher schon gehandelt, bevor sie gedacht haben. Die Gesetze der Warennatur betätigten sich im Naturinstinkt der Warenbesitzer. Sie können ihre Waren nur als Werte und darum nur als Waren aufeinander beziehn, indem sie dieselben gegensätzlich auf irgendeine andre Ware als allgemeines Äquivalent beziehn. Das ergab die Analyse der Ware. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller andren Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform. Allgemeines Äquivalent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozeß zur spezifisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Ware. So wird sie - Geld." aber man sehe weiter: "Adäquate Erscheinungsform von Wert oder Materiatur abstrakter und daher gleicher menschlicher Arbeit kann nur eine Materie sein, deren sämtliche Exemplare dieselbe gleichförmige Qualität besitzen. Andrerseits, da der Unterschied der Wertgrößen rein quantitativ ist, muß die Geldware rein quantitativer Unterschiede fähig, also nach Willkür teilbar und aus ihren Teilen wieder zusammensetzbar sein. Gold und Silber besitzen aber diese Eigenschaften von Natur." - Also die "Geltung" ist aufgeschmissen wenn sie nicht einen objektiven Träger findet. "Der Austauschprozeß gibt der Ware, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Wert, sondern ihre spezifische Wertform. Die Verwechslung beider Bestimmungen verleitete dazu, den Wert von Gold und Silber für imaginär zu halten. Weil Geld in bestimmten Funktionen durch bloße Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann, entsprang der andre Irrtum, es sei ein bloßes Zeichen. Andrerseits lag darin die Ahnung, daß die Geldform des Dings ihm selbst äußerlich und bloß Erscheinungsform dahinter versteckter menschlicher Verhältnisse. In diesem Sinn wäre jede Ware ein Zeichen, weil als Wert nur sachliche Hülle der auf sie verausgabten menschlichen Arbeit. Indem man aber die gesellschaftlichen Charaktere, welche Sachen, oder die sachlichen Charaktere, welche gesellschaftliche Bestimmungen der Arbeit auf Grundlage einer bestimmten Produktionsweise erhalten, für bloße Zeichen, erklärt man sie zugleich für willkürliches Reflexionsprodukt der Menschen. Es war dies beliebte Aufklärungsmanier des 18. Jahrhunderts, um den rätselhaften Gestalten menschlicher Verhältnisse, deren Entstehungsprozeß man noch nicht entziffern konnte, wenigstens vorläufig den Schein der Fremdheit abzustreifen." "Wir verfolgten die Befestigung dieses falschen Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine Äquivalentform mit der Naturalform einer besondren Warenart verwachsen oder zur Geldform kristallisiert ist. Eine Ware scheint nicht erst Geld zu werden, weil die andren Waren allseitig ihre Werte in ihr darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werte in ihr darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermittelnde Bewegung verschwindet in ihrem eignen Resultat und läßt keine Spur zurück" Will sagen: Man kann schlechterdings das Geld nicht aus einem Bewusstseinsakt ableiten, daran scheitert die Phänomenologie.
Aber das Bewusstsein (intentio obliqua) ist doch der Ausgangspunkt der Phänomenologie, also wundert mich nicht, dass dann auch Geld als "in sich differenzierte, vielfältige und sozial vermittelte Denkform" beschrieben wird. Stellt sich nur die Frage nach dem Erkenntnisgewinn aus dieser Herangehensweise. Aber die Darstellung von Marx bringt mir auch keinen höheren Erkenntnisgewinn.
Würde er sich einen Moment lang auf die Spezifik der Dinge einlassen, dann müsste er feststellen, dass die Menschen nicht vom Denken und nicht vom Händchenhalten leben. Was Geld im Unterschied zur Sprache ist, Fussball im Unterschied zur Politik, das ist doch das wirklich spannende an Erkenntnis!
"Gewarnt wird vor der Lesart von Engels, die lange den orthodoxen Marxismus-Leninismus (ML) prägte, zu Anfang des KAPITAL werde in einem Zusammenfallen von historischer und "logischer" (=systematischer) Darstellung eine (vorkapitalistische) "einfache Warenproduktion" behandelt." Mike hat auch liebevoll meine alte Auseinandersetzung mit Herrn Eldred archiviert: http://marx101.blogspot.co.at/search/label/Franz Nahrada Im zweiten Posting auf dieser Seite findet sich auch dioe Auflösung des "Phänomenologie" Problems: zuletzt mit dem wunderschönen Satz: "„Die Analyse endet dort, wo das natürliche Bewusstsein die Herkunft der in ihm herrschenden Kategorien aus den durch die systematische Analyse aufgedeckten ... Verhältnissen erkannt hat ... Damit hat sich das natürliche Bewusstsein im systematischen spekulativen Denken aufgehoben ohne je seine Erfahrungen aufgegeben haben zu müssen.“ "
Danke für die Links. Ich weiß, dass ich noch viel zu lesen habe...
"Ich habe Drachen gesät und Flöhe geerntet" (Marx)
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| (C) Die Autoren | changed: 3. Mai 2014 |